Hallo an alle hier im neuen Forum.
Ich habe mir auch ein paar Gedanken über den Widder gemacht.
Viel Vergnügen beim Lesen.
LG
Sommersonnenwende
„Der Starke ist am mächtigsten allein“
Es gibt wohl kaum einen Mitmenschen, der sich so eindeutig und unumwunden zu seinem Sonnenzeichen bekennt, wie der Widder. Gern verbal bekräftigt durch: „Und zwar ein Richtiger!“
Jeder andere Vertreter eines der 11 weiteren Tierkreiszeichen ist da deutlich zurückhaltender.
So kneift der Skorpion vielleicht seine Augen zu kleinen Schlitzen zusammen und prüft skeptisch was hinter dieser Fragen stecken könnte. Die Jungfrau atmet eventuell geräuschvoll und ergeben tief ein, um dann zu antwortet: „Jungfrau..., leider und noch dazu eine sehr Typische“. Der Zwilling wiederum möchte vielleicht ein interessantes Gespräch über pro und contra der Astrologie anzetteln, wohingegen die Waage vermutlich wohlsituiert und betont friedvoll säuselt: “Waage und DU?“
Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft unsere widdrigen Tierkreisvertreter ausgestattet sind. Unverstellt und ohne zögern fordern sie mit einer Selbstverständlichkeit, die einer Waage wie mir, so manches mal den Atem stocken lässt, was ihnen in ihren Augen ganz einfach zusteht.
Und dabei können sie durchaus kameradschaftlich sein.
Nur muss man, um in den Genuss dieses Vorzuges zu kommen, unbedingt mit ihnen Schritt halten können. Eine gemeinsame Wanderung kann sonst schnell zu einer schweißtreibenden Angelegenheit ausarten.
Während ich mich noch unschlüssig herumstehend zu einer Entscheidung durchzuringen versuche und abwäge, welcher Weg der erquicklichere und schönere sei, ist mein Widderwanderpartner bereits mit energischem Schritt an mir vorbeigespurtet. Für ihn gibt es nur einen Weg: den Kürzesten.
Und wenn ich mich dann endlich zu einer Entscheidung durchgerungen habe, kommt er mir schon freudestrahlend von seinem Gipfelsturm wieder entgegen.
Abends am Kamin sitzend, an dem mein Wanderpartner natürlich ausgiebig seinem pyromanischen Drang nachgegangen ist, will er dann doch wissen, ob es etwas Schönes auf der Wanderung zu sehen gab und genießt, mein Schwärmen und Schwelgen über die berauschenden Eindrücke. Ja ja, genießen will er schon, aber bitte sofort, so dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass Fastfoodketten eine Erfindung von Widdern sind.
Ich muss schon zugeben, dass mich ihre zielgerichtete Dominanz beeindruckt und dennoch, manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie es wohl auf einem Planeten voller Widder zu- und hergehen würde?“ Ein Planet voller Selfmade-Menschen. Alles Eroberer, nur Pioniere, Erfinder, Unternehmer, Expeditionsleiter, Selbstständige, Religionsführer, oder Begründer eines neuen künstlerischen „Ismuses“.
Ein Chor voller Solisten.
Wie klingt wohl ein Lied dieses Individualistenchors? Vermutlich gewaltig, aber ein bisschen auch am „Anliegen des Erfinders“ und am harmonischen (Ein)Klang vorbei.
Aber was soll´s. Darum geht’s ja auch nicht. Hier heißt die Devise, streben, wozu man sich berufen glaubt, und so streben sie alle zielsicher in verschiedene Richtungen und stoßen in ihrem ungestümen Vorantreiben erst wieder aufeinander, wenn sich ihre Wege zufällig kreuzen. Aber allein kommt man ohnehin besser voran und es redet einem nicht immerzu irgend Jemand rein. (Denn auf einem Planeten voller Widder redet einem ganz sicher immer irgend Jemand rein.)
Sehr schnell gäbe es wahrscheinlich nichts mehr zu entdecken und zu erfinden. Der Trieb, immer erster sein zu müssen, würde zu endlosen Wettkämpfen führen, an deren Ende dem Sieger gar keine Zeit bliebe, diesen auszukosten, da sonst ein anderer schon wieder die Nase ein entscheidendes Stück weiter vorn hätte.
Zyklisch würden alle erschöpft umherliegen, in der Hoffnung schnell wieder im Vollbesitz ihrer vitalen Kräfte zu sein, nur um sich dann erneut an die Grenzen des Äußersten zu bringen.
Alles ginge wahrscheinlich noch ein bisschen schneller und ein Arbeitstag wäre nicht durch Arbeitszeiten, sondern durch den Erschöpfungszustand begrenzt.
Beim Gedanken, an das Paarungsverhalten eines Widderpärchens, dass in eroberungslustigem Balzen auf Sieg ausgerichtet ins Gefecht zieht, muss ich doch ein wenig schmunzeln.
Aber bekanntlich ist ja der Weg das Ziel und so wird wohl hier schon eine Menge Freude allein durch das rasante Tempo und die sportliche Fitness aufkommen.
Außerdem wäre man sich wahrscheinlich schnell darüber einig, dass es nach erfolgreicher gegenseitiger Eroberung nun wieder an der Zeit sei, eine neue Bastion einzunehmen und hinge nicht noch eine vergeudet, endlose Zeit der Zweisamkeit an, die lediglich die Vereitelung anderer verlockender Möglichkeiten nach sich zöge.
Aber wehe, wenn sie nach heldischen Taten verletzt und blutend auf dem Schlachtfeld liegen. Wenn sie ratlos hilfesuchend erstaunt feststellen müssen, dass es auf dem ganzen Planeten keinen Menschen gibt, der sie wieder gesund pflegt, sie aufrichtet und bedauert, ausgiebig bemuttert und für die nächste Etappe aufpäppelt. Allenthalben Chirurgen zücken bereitwillig ihr Skalpell, um beherzt weg zu schnippeln, was weg muss.
Vermutlich könnte man für jedes Tierkreiszeichen ein ähnlich dramatisches Szenario heraufbeschwören, aber der Widder drängt sich mir persönlich hierfür am bereitwilligsten auf, gibt er sich doch mit seiner Ich-Bezogenheit eine besonders schöne Breitseite.
Sein „Ich will“ rechtfertigt seine Tat und wird bei jeder Gelegenheit als Trumpfkarte aus dem Ärmel gezogen.
Hat er einmal ein Ziel anvisiert und als lohnenswert erkoren, stürmt er blindlings darauf los.
Dezenz und zögern sind für ihn Schwäche und darum hält ihn auch seine Vernunft nicht davon ab, im Eifer des Gefecht unterzugehen. Aber nur aus diesen Niederlagen lernt er, denn: “Nach dem Kampf ist vor dem Kampf.“
Oh, oh, welch grausiges Schicksal würde unsere hitzigen Helden erwarten, wären sie allein unter Ihresgleichen.
Und um wie viel langweiliger und unersprießlicher wäre es um das Leben von uns Anderen bestellt, müssten wir auf unsere liebeswerten Draufgänger verzichten.